Fragen und Antworten: Fill-in

Frau R. aus B. fragt: «Kannst du mir ein paar Fill-ins am Drumset zeigen? – Ich spiele immer die selben.»

Die Antwort geht so:

Der Trick ist, das Selbe auf möglichst viele Arten zu machen. Böse ist, aufgeschriebene Übergänge auswendig zu lernen – dann kann man nur soviel, wie man vorgesetzt bekommen hat. Nimm immer die selbe Schlagfolge, und

  • wechsle zwischen Kesseln und Becken
  • spiele unterschiedliche Lautstärken
  • kombiniere Hände und Füsse auf alle möglichen Arten, z.B. Toms mit Kicks
  • mach Doppelschläge, z.B. Snare / Floortom

Schon gibts unzählige Kombinationen aus derselben Schlagfolge.

Eine kleine Übung dazu:

Wir nehmen

  • Ein Metronom bei angenehmen 100bpm, Viertel
  • Den klassischen Pumm Tschak Groove: Bass Drum auf eins und drei, Snare auf zwei und vier, Achtel auf Hi-Hat durchgehend.
  • 3 Takte Groove, ein Takt Fill.

Die Regeln

  • Erlaubt für die Fills sind nur Viertel und Achtel und deren Pausen.
  • Jeder Übergang ist ein anderer, als der vorhergehende. (Entweder bleibt der selbe Rhythmus, aber er ist anders auf das Set verteilt, oder die Verteilung bleibt, aber der Rhythmus ist anders.)
  • 5-10 Minuten durchhalten

Die Starthilfen

  • Umlaufsinn ändern z.B Snare – Tom 1 – Tom 2 – Tom 3, nächstes Mal Tom 3 – Tom 2 – Tom 1 – Snare
  • Füsse einbeziehen: rechte Hand, rechter Fuss, linke Hand, linker Fuss – nur Füsse
  • Beide Hände oder Füsse gleichzeitig spielen
  • Mit Pausen arbeiten – das kann man nicht genug betonen

Das lernst du dabei

Du merkst, eigentlich machst du immer das selbe (Viertel und Achtel klopfen bzw. entsprechende Pausen machen), aber es tönt jedesmal anders. Gratuliere, genau darum gehts! 🙂
Das Ziel ist, dass du aufhörst zu überlegen, was du tust und dafür in Ruhe Musik machen kannst – denn die Fills müssen den Song tragen – auf einen nächsten Teil überleiten – Solisten in den Arsch treten und so fort.

Die Art des Fills muss immer songdienlich sein – also möglichst viel Musik hören. Wenn zum Beispiel ein Akzent auf 1+ liegt, unterstütze das mit einem amtlichen Choked – Crash Schlag:-) Wenn dein Fill-in ganz solistisch steht, dann kannst rumpeln, was du willst, aber es darf keine Tempoänderung geben und die Band muss genau merken, wann sie wieder an den Start muss – je nach Musik musst du z.B. die nächste Eins wieder punktgenau nageln.

Die Steigerung

Simpel: Alle möglichen Notenwerte, Schlagfolgen, Techniken (Chokes, Vorschläge, Rimshots, Crossticks, Rolls…) und die Kombinationen lassen sich schnell nicht mehr rechnen…

A propos Kombinationen

Benutzen wir nur die Hände und vier Viertelschläge für das Eintakt – Fill und wählen nur Snare und Floor Tom haben wir schon mal 16 Variationen am Start. Treten wir den Takt nur mit Füssen, sind das alleine auch 16 Variationen. Nehmen wir so Hände und Füsse zusammen, gibts schon mal amtliche 256 Möglichkeiten, die Viertel zu spielen. Und zwar nacheinander – Doppelschläge Hand – Hand / Hand – Fuss / Fuss – Fuss sind noch nicht mal eingerechnet.

Bauen wir das Ganze aus auf Snare, 3 Toms, ein Crash stehen wir schon bei 625 Variationen – nur die Hände. Füllen wir jetzt auch noch den ganzen Takt mit Achteln, gibts angenehme 390’625 Variationen für unser Fill-in. Nur mit zwei Stöcken, ohne Füsse und Doppelschläge… Das dürfte für den Anfang reichen;-)

Grundlagen: Jazz

Jazz am Schlagzeug geht so:

  • Die Ridefigur führt.
  • Die Akzente der Ridefigur in geraden Taktarten liegen auf 2 und 4.
  • Die Hi-Hat unterstützt das, durchgehend getreten auf 2 und 4.

Dieser Fluss darf nie durch das andere Gerumpel unterbrochen werden.
Du musst die Band und den Song allein mit der Ridefigur und Hi-Hat zusammenhalten können, ohne einen einzigen zusätzlichen Schlag auf die Kessel.

Verboten ist:

  • Bassdrum durchgängig auf 1 und 3 spielen.
  • Den ganzen Song durch Snare Nachschläge auf 2 und 4 klopfen.
  • Ridefigur auf 1 und 3 betonen.

Das einhalten und schon tönt es wie richtig.
Prost!

Equipment

Um das mal klar zu stellen, Freunde: Niemand braucht mehr als einmal

  • Kick
  • Snare
  • 1-2 Toms
  • Hi-Hat
  • Crash
  • Ride

Marke, Alter und Preislage sind schnurzpiepegal.

Zweitens: Die Ausrüstung ist immer zweitrangig. Wenn du nicht spielen und nicht stimmen kannst, tönt’s nie. Deshalb haben alte Jazzer vornehmlich auf Kissen geübt. Und deshalb stehen im Berklee College furchtbare Sets herum.

Klar: Für verschiedene Musikrichtungen braucht es passende Klänge, da macht das Instrument noch die letzten 10-15% nach Technik, Tuningfähigkeiten, Stilverständnis und Musikalität des Spielers aus.

Instrumente und Produkte

Drum- und Cymbalhersteller sind Produktionsbetriebe. Das sind ganz normale betriebswirtschaftliche Firmen, die wollen

  • Geld verdienen
  • die Produktionskosten so tief als möglich halten
  • die Preise so hoch wie möglich ansetzen
  • die Marktdurchdringung erhöhen
  • andere verdrängen
  • Geld verdienen 🙂

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