Meine Schweizer Lieblingsbands

Irgendwoher hat man ja seine Musik. Das Handwerk ist das eine – die Art das andere. Da muss man sauviel sauverschiedenes Zeug losen, emfall – sonst bleibt man ehm, sagen wir: Musikant und wird nie Musiker. Gerne meine schweizer Einflüsse – und was ich von denen gelernt hab. Und das drückt immer wieder durch. Und wenn ich gross bin, werd ich dann auch mal Musiker.

Die Buchstaben füll ich nach und nach weiter nach – stay tuned!

A wie

B wie

C wie Celtic Frost, Coroner, Carlo Brunner, Charly Antolini

«Ugh!» – In den frühen 80ern hauen Celtic Frost (vorher als Hellhammer) schlicht die ganze Metalwelt um. Fertig Sirenensänger, hier growlts aus dem Kellerloch. Wie vielleicht für einige die ernste Musik mit Bach aufhört – fängt Metal erst mit Celtic Frost richtig an. 10 Jahre zu früh, als dass jemand das begreifen könnte, was Sie da tun und bewirken. Vielleicht gingen Sie deshalb mehrmals intern und extern unter. Das sollte Primarschulpflichtwissen sein. Neben Yello hat wohl niemand dermassen Einfluss auf ein ganze Genre gehabt. Metal hätte sich nie so entwickelt, wären die Herren nicht gewesen. Gleichzeitig ist alles pedantisch durchkonzipiert und roh und schrankenlos und echt umgesetzt. Gelernt: Alle gute Musik braucht diesen Celtic Frost Effekt.

Coroner

Diese Herren sind dermassen Eigenständig, dass das sogar ein Magazinkritiker nach deren Auflösung um 1996 herum gemerkt hat – wie Celtic Frost mit allem 10 Jahre zu früh, um verstanden zu werden. (Richtig, ich habe mich als junger Metalhead durch alle Magazine gelesen und mochte die meisten Schreiberlinge damals schon nicht.) Und alle haben sich darum gerungen, Sie in irgendeiner der Metal-Subgenre – Schubladen zu versorgen. Erfolglos. Die Herren Marky, Tommy und Ron spielten ihre harte Musik. Und tun es zum Glück seit ca. 2010 wieder – grossartig! (Sorry Tommy für mein Abkacken in einer Studio Session für Downfall. War keine gute Zeit, zu Trommeln.) Gelernt: Nails Hurt!

Carlo Brunner

Ländler? Aber natürlich, ihr Banausen! Wenn einer mit seiner Kapelle, was weiss ich, über 40 Jahre in der Schweiz allein jedes Jahr über 100 Gigs auf Topniveau in seinem Fach spielt, gibt’s nichts zu diskutieren. Abgesehen davon gäbe es ohne ihn diese Musik vielleicht schon gar nicht mehr. Turbokompressor Stakkato auf Klarinette, Sopran- / Alt- / Tenorsax und das stundenlang am Stück ohne mit der Wimper zu zucken. Auf höchstem Niveau, das bis heute nur der Selippphickl, sorry: Philipp (Mettler) und der Dani Häusler hinkriegen. Irgend 1500 Stücke hat der Mann geschrieben und macht jetzt mit 60 Jahren mal ein bisschen Ferien. Gelernt: Unter 6 Stunden Konzert muss keiner von Kondition schwafeln.

Charly Antolini

Als kleiner Junge starrte ich den Herrn Schlagzeuger Antolini auf der Bühne an, und versuchte, dahinter zu kommen, wie man vetaminochmal so einen Wirbel hinkriegt. Einmal hat er das von der Bühne runter bemerkt und es mir nachher erklärt. Ich kanns aber bis heute nicht haha! Der Turbotrommler, der wohl irgendwie alle Jazzdrummer von 1900 – 1960 in den Gelenken hat und old school Jazz Drumming rauspülvert, wie gar niemand mehr. Diesen Drummer erkennt man sofort am Schlag. Seit bald 60 Jahren spielt der Mann. Gelernt: Lerne niemals Schlagzeug, ohne Jazz zu hören.

D wie DRS – Big Band

Jaaa, ein richtiges Rundfunkorchester hatten wir mal – damals noch Männer mit Schnäuzen, du! Mit den Obercats von damals, als TV schwarzweiss war und Teleboy lief – mit Band. Grossartig, die Saucheiben! Und teils richtig Jazz, nicht Weichspülerswing, den die CH – Big Bands immer wieder erfolglos probieren… im Video scattet Herr Tony Scott. Gelernt: Es gab mal eine richtig gute Big Band in der Schweiz.

 

E wie

F wie Fear of God

In der Zeit, als man die Kantonsschule vornehmlich in der Grüenau vis à vis verbrachte und vor Grindcore auf die Knie fiel, kam kein korrekt adoleszenter um Fear of God herum. Allerdings sprach keiner von Grindcore aber anyway. Der Erich, der Tschösi, der Dave, der Osi haben mindestens die ersten 8 Buchstaben ins Wort «extrem» gebracht. Bis heute unantastbar. Gelernt: Sei skrupellos.

G wie Geholten Stühle

«Wiäischirnname? – Döpfel. – Döpfel? – HerrDöpfel». Der Andi Lutz aus (L)Uznach und der andere Dings waren mal eine totale Oberperle der Schweizer Kunstlandschaft. Wort- und dialektgewandt, total absurd und aber auch mit lustiger Musik drunter – deshalb auch eine Band und hier drin. Leider darf ich hier vermutlich nicht einfach ein MP3 raufladen – aber geht mal hier gucken. Spoiler alert: Rolf Menzi. – Gelernt: Je abgefahrener, desto haut’s mich weg.

H wie Hujässler

Da wir grad bei Ländler sind, neben Carlo Brunner da oben kamen die jungen und wilden in den 90ern an den Start – und mit Dani Häusler und Markus Flückiger das unschlagbare Tag-Team der Szene. Und irgendwie auch Punks, sauglatt war das am Anfang, als an den frühen Konzerten das verbandskonforme Publikum nach Luft japsend den Saal verliess. Warum? Weil da hatte einer lange Haare, soen Schnuderbueb vetami gopf. Und Turnschuhe statt Pseudotrachtengilet… Und so nüüümödige Akkordfärbungen vom Herrn Kamer am Klavier ja Chrüterluz nomol, dä huere Hudlipfupf! Besser: Hujdlipfupf, denn Humor haben die, und Sie spielen in einer total eigenen Liga. Gelernt: Geh an Ländlerstubeten, es könnte ziemlich Metalmässig zugehen.

I wie Irrwisch

Progressive – , Jazz- / Artrock ist ja irgendwie doch unverzichtbar. Hier die Strammen Männer des Eidg. Departementes für 70er Jahre – Musik. Denn die Herren sind seit 1975 am Start und bereichern. Früher noch irgendwo um Mahavishnu Orchestra herum, heute eher Marillion und Phish. Ich kann das Zeug irgendwie nicht ausstehen – aber gut ist’s! Gelernt: Gut gemacht gefällt nicht immer – und umgekehrt.

J wie Joachim Raff

Zwar keine Band – aber Komponisten sind auch cool. Der Raff-Papi war Deutscher, der Junge Joachim ist in Lachen SZ geboren und aufgewachsen. Und er hat glaubs für Herrn Liszt den Kack richtig aufgeschrieben. Und coolen Shit komponiert, wie zum Beispiel ein Kilo Symphonien zu den Jahreszeiten. Schöner geht nicht. Obwohl, das folgende Beispiel fängt zu schnell an – aber wir haben ja eh keine Zeit. Gelernt: Mit Streichinstrumenten gibt’s richtig schöne Intonation.

K wie

L wie Lunacy

Lunacy gibt’s glaubs immernoch und deren Album «Face no more» hat mir saugut gefallen, irgend um 1991 herum. Nicht Hardcore, nicht Crossover, nicht Thrash – aber alles gut. Sie hätten für jenes Album eine viel bessere Produktion verdient. Gelernt: Gute Lieder haben Titel wie: «Brontofröhn».

M wie Messiah

Thrash, vetami! Eine Band, die einen Eisbär aufs Cover haut, und «Extreme Cold Weather» drunter schreibt ist schon mal gut im Futter! Für mich grossartig. Lustigerweise waren mir die zu wenig extrem – hatte vermutlich die Platte «Rotten Perish» erwischt, und erst später die ersten Krawallscheiben. Oft von Metalkritikern verurteilt (- was will man als Metal Band mehr?) sind die für mich auch heute noch super extrem, Brogi spielt Gitti mit Geigenbogen und Tschösi’s Gekeife ist unerreicht. Gelernt: Urteile nie über Musik, ohne davon nur ein Album davon gehört zu haben.

 

N wie

O wie

P wie Pfuri, Gorps & Kniri

«Pfuri pfurzt, Gorps gorpst und Kniri Knirrscht…» So lautet es auf der handsignierten LP «Leiff», die ich hab. Ich konnte die Autogramme nicht selber abholen, weil ich erst ein Jahr später geboren wurde, als die Platte erschien. Die Kerle waren mal rasch – in erster Linie mit Peter, Sue & Marc zusammen – ziemlich berühmt mit ihren Grümpelinstrumenten. Joint Ventures mit dem riesengrosse Peter Alexander waren auch am Start. Gelernt: Alles ist ein Rhythmusinstrument.

Q wie

R wie Requiem

Death Metal From Switzerland. So stehts auf den frühen Requiem Shirts und das dürften Sie ungeniert wieder dick auf die Textilien kna… Moment: Tun Sie ja auch – auf der Website im Logo und ein paar Shirts sind auch noch – Danke Phil! Für mich DIE Death Metal Band unseres Landes. Weil Sie nicht nur technisch saugut sind, sondern auch musikalisch. Was das im Death Metal zu suchen hat? Ganz einfach: Lass mal 10 Bulldozer 10 mal auf 10 verschiedene Arten so laufen, dass man beim nächsten Mal noch weiss, was Nr. 3 war. Oh! und die haben freundlicherweise damals teuren Serverplatz mit dem coolsten Schweizer Metalforum verschwendet – Hopp Pajassen! Und ich sehe grad: auch das läuft sogar noch! Gelernt: CH – Musik kann locker Weltklasse sein.

 

S wie SPECK

Schpägg us Basel sind glaubs Vegetarier. Die gehören allein schon wegen ihrer früheren Drive-by Gigs (Anhalten, Bus auf, paar Songs rausprügeln, abhauen) hier rein und weil Sie keine Vokale mögen und deshalb ein sehr gutes Lied «Mschlspp» heisst. Gelernt: Keiner merkt manchmal, wie gut du spielst.

T wie Tinu Heiniger

Hopp Tinu, sowas wie ein Troubadour, und trotzdem ein indizierter Song um 1980 herum – «Unterhaltigsbrunz» – weil sich das Trio Eugster gedisst fühlte. «Dissen» kam dann 15 Jahre später via Hip-Hop als Wort wieder nach Europa. Was will man mehr! Meine Initialzündung ist das Album «Mängisch fägts no» von 1980, mit Killermusikern und einer sorgfältigen und sauguten Produktion. Sowas kriegen die heutigen ohrenlosen Softwarebediener und Plugin-updater im Studio nicht mehr hin. Gelernt: Sei unterschwellig.

U wie

V wie

X wie

Y wie (The) Young Gods

Was soll ich sagen? Die Band ist dermassen wichtig, dass U2 ohne die vermutlich nicht U2 wären. Und Herr Mike Patton, Herr David Bowie, Ministry und Manson finden die auch wichtig. Das nennt sich post-industrial, aber das ist egal. Weil der Herr Treichler und Co. sind unkopierbar, haben weltruf und nicht so viele wissen das. Furchtbar – die haben vetami nochmal «Skinflower» und «Kissing The Sun» geschrieben – da knie ich hin. Gelernt: Knie hin, wenn du sollst. Und kauf einen Sampler.

Z wie

 

%d bloggers like this: